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Schulung der Intuition 01

 

Wie entstand die Intuitive Pädagogik?

Vor fast 40 Jahren begann Pär Ahlbom mit einigen
Freunden in Järna/Schweden eine Schule zu entwickeln,
in der Kinder eine lebendige, menschliche Wirklichkeit
vorfinden sollten, in der sie sich in Geborgenheit,
gemäß ihres Lebenswillens autonom entwickeln
können.

Es entstand – zunächst durch das Ringen um den
Begriff des Musikalischen – nach und nach ein Ort,
der viele Menschen zusammenführte, die nach neuer Musik,
neuer Menschlichkeit, ja neuer Freude für ihr Leben
suchten.

Dort, in der alltäglichen Arbeit mit den Kindern, in der
Schule, entstanden all die Übungen und Spiele, mit Hilfe
derer Grundfragen des Lebens bewegt und bewusst werden
und die weit über das Schulleben hinausreichen.

Die Schulung der Intuition wiederentdeckt und entwickelt
Übungen, bei denen durch praktisches Üben eine
innere Freude und die Bereitschaft entstehen, spielerisch
mit den eigenen Grenzen und Blockaden umzugehen.

Dieser Ansatz stärkt die Fähigkeit, auch schwierigen
Situationen mit einer intuitiven, authentischen Lebendigkeit
zu begegnen.

 

                   

Wenn „Wahrheit” als Tätigkeit gedacht werden kann, schimmert die echte Bedeutung von „Intuition“ durch.

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Nicht ist hier also etwas Unbestimmtes, Plan- oder Konzeptloses gemeint, sondern eher etwas, worin Plan und Konzept weisend gehüllt sein kann. In entscheidenden Augenblicken helfen Pläne und Konzepte nicht unmittelbar genug. Die Aufmerksamkeit und Beweglichkeit des Lehrers können miteinander so ins Spielen kommen, dass immer ökonomischer und schöpferischer gehandelt werden kann, auch in schwierigen und überraschenden Situationen.

Wenn diese „ökonomische Kreativität” als in sich/mir ruhende Möglichkeit erlebt wird, dann hört die meist nur wenig bewusste Angst vor Unvorhergesehenem auf. Damit hört auch das zwingende Haftenbleiben am Vorbereiteten auf. Die so entstehende Unabhängigkeit verwandelt Konzept und Plan in innere landschaftsähnliche Gebiete, die nun Umgebung werden für pädagogische Handlungen, die unerwartet aber stimmig sind.

Intuitive Fähigkeiten in diesem Sinne hängen grundsätzlich nicht von Begabung ab, sondern können von uns allen durch Übung erworben werden. Rudolf Steiner sagte einmal etwa: „Ja, es ist richtig, aber es stimmt nicht.” In der „Intuitiven Pädagogik” ist „Stimmigkeit” entscheidend und ich will an einem Beispiel versuchen deutlich zu machen, um was es geht.

Zwei Personen machen zusammen eine Übung: abwechselnd gleichmäßig in die Hände klatschen. Schon bei mäßiger Geschwindigkeit misslingt es. Wenn ein hohes Tempo eingesetzt wird, klatschen z.B. beide hilflos gleichzeitig. Selbstverständlich gibt es geschickte Ausnahmen, die sehr bald viel können. Das Wesentliche ist aber, dass die „Stimmigkeit” hör- und sichtbar ist! Bei Zweien, denen es gut gelingt, kann man den Unterschied zwischen „richtig” und „stimmig” genau so wahrnehmen, wie bei zweien, die es weniger gut können.

Wenn es anfängt zu stimmen, scheint die Übung selbst sich von den Übenden zu lösen und ist gleichsam befreit, wie tanzend und lebend zwischen ihnen. Eine Art von zartem Jubel tritt dann auch bei dem, der zuschaut, auf: keiner denkt mehr an Takt oder Exaktheit, alles klatscht nur und freut sich. Gewiss ist bei solch einer Übung dann auch das „Richtige” da, aber gelegentlich konnten wir „Stimmigkeit” ohne „Richtigkeit” entdecken, z.B. bei manchen Sprech- und Bewegungsübungen.

In allem Üben, Spielen, Arbeiten, ja, in allem Tun überhaupt und auch in Naturvorgängen, wenn sie gesund sind, gibt es dieses fließende, freiwillige Strömen oder Wachsen, dem eine völlig andere Qualität innewohnt als dem sogenannt Richtigen, Normalen oder sonst üblich Genügenden.

Auf jeden Fall kann immer über dieses Normale und Richtige hinausgegangen werden, und erst dann beginnt das Wesentliche.

Worte können Vorgänge beschreiben, aber nicht immer erlebbar machen. Das hier Gesagte will auf etwas hinweisen, was immer und überall da ist und leicht übersehen wird.

Pär Ahlbom